Gedanken…! – von Jochen Maass

Ben Tewaag gewinnt „Promi Big Brother 2016“ Echt? Der? Ja. Der „Bad Boy“ und Prominentensohn machte im Container seinem Namen keine Ehre und verhielt sich viel besonnener als gedacht. 

„Ich dachte, ich habe gar keine Fans, die für mich abstimmen“, sagte er irritiert nach dem gewonnenen Finale. Doch während Ben Tewaag fest damit rechnete, auf Facebook in erster Linie auf „Freunde“ zu treffen, die ihn hassen, gingen seine Likes in die Tausende. Echte neue Freunde hat er im Container auch gefunden. Und – mit 40 – die für ihn neue Erkenntnis, „den ersten richtigen Sieg seines Lebens“ errungen zu haben. 

Den ersten Tag in Freiheit verbringt Ben Tewaag übrigens lieber in Ruhe mit den anderen Big Brother-Bewohnern, statt sich z.B. in Interviews und auf Partys feiern zu lassen, mault BUNTE.de überrascht. Einen Teil des 100.000 Euro-Gewinns möchte er sogar spenden. 

Ben Tewaag? Ruhe? Spenden? Echt? Ja, denn der „Böse Bube“ aus der Zeit vor dem Container hat von den Zuschauern eine zweite Chance für sein Leben nach dem Container bekommen, auch wenn es ehrlicherweise bereits die x-te Chance für ihn ist. 

Damit haben die SAT.1-Zuschauer etwas bewiesen, was der Show selbst schmerzlich fehlte: Stil, Herz, vielleicht sogar so etwas wie Moral. 

Es ist müßig, medienwissenschaftlich darüber zu fabulieren, warum eine Dschungelprüfung in der RTL-Promi-Verwertungsshow „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ immer noch mehr Anstand hat, als Menschen bei „Promi Big Brother“ in Raupenanzügen über den Boden robben zu lassen. Angefeuert vom Moderator wie in einem Tiergehege. Das unterscheidet zum Beispiel den lustigen Kindergeburtstag der WDR-Show „Zimmer frei“ fundamental vom Promi-Besudeln im SAT.1-Container. Da bei RTL bereits die Nackedei-Doku „Adam sucht Eva“ in den Startlöchern steht, ersparen wir uns auch ein wissendes: „RTL ist eben etwas ganz anderes als SAT.1!“ Nö, das ist mittlerweile VOX. 

Lassen wir die Medienkritik, denn der Sieg von Ben Tewaag hat etwas viel Wertvolleres gezeigt: TV-Zuschauer sind feinsinniger und menschlicher als viele Medienmacher denken. Und: Menschen geben auch extrem kaputten, fast schon verloren geglaubten Menschen eine neue Chance im Leben. 

Es wäre so schön, wenn Ben Tewaag sie nutzen würde. Wer Uschi Glas kennt, gönnt es auch ihr von Herzen.