Schluss, Aus, vorbei: Nach neun Jahren stellt Antenne Brandenburg das „Sonntagsvergnügen“ mit Bernhard Brink ein. Es war eine der letzten unberührten Programminseln im stark durchformatierten Programm des Potsdamer Senders. Jeden Sonntag von 13 bis 15 Uhr spielte „Brinki“ dort seine Lieblingshits und plauderte über das, was er und nicht irgendwelche Radioberater wollten. Doch einer der letzten Rückzugsorte des deutschen Schlagers bei der RBB-Welle ist ab Ende August Geschichte. Denn am Sonntag, 28.08.16, verabschiedet sich Bernhard Brink im „Sonntagsvergnügen“ von seinen Fans. Im Gespräch mit MAASS·GENAU nimmt Bernhard Brink das unfreiwillige Ende gelassen: „Es ist das gute Recht des Senders, nach neun Jahren das Wochenendprogramm neu zu gestalten.“ 

Brink will auf jeden Fall weiter Radio machen. Wo, steht noch nicht fest. Nach MAASS·GENAU-Informationen gilt Deutschlands Schlagerradio B2 als heißer Kandidat für die neue Brink-Radio-Show.

Unterwegs im Cabrio durch Berlin sprach Bernhard Brink mit uns darüber, warum er ABBA im Radio nicht täglich braucht. Und warum wir nicht immer Gutmenschen für alles und jeden in der Welt sein sollten.

„Darüber spricht man!“ – 13 Fragen an… Bernhard Brink

MAASS•GENAU: Worüber haben Sie sich zuletzt so richtig gefreut? 

Über die guten Quoten meiner neuen MDR-Show „Die besten Hits aller Zeiten“. Da haben wir sogar gegen ein Deutschland-Spiel bei der EM gut ausgesehen. Die Pilot-Sendungen liefen so gut, dass wir vielleicht sogar in die Verlängerung gehen dürfen.  

MAASS•GENAU: Und worüber haben Sie sich geärgert? 

Ich ärgere mich immer wieder über unüberlegte Äußerungen und Entscheidungen der Politik. Zum Beispiel wie Angela Merkel nach Fukushima von heute auf morgen ihre Umweltpolitik geändert und die Windräder in unser Land gebracht hat, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Ich schätze Frau Merkel, weil sie nach meinem Eindruck wirklich dem Volk dienen will, doch das Flüchtlingsthema hat sie leider auch nicht zu Ende gedacht. Da erleben wir heute leider so manche Katastrophe. Ich weiß aus persönlichen Gesprächen mit Lehrern, dass sich Flüchtlinge verweigern, obwohl man ihnen helfen will. Helfen wollen wir sicherlich alle, doch mit weltfremden Ideen aus der Politik kommt man nicht durch den Alltag.    

MAASS•GENAU: An welchem Ort sind Sie aktuell am liebsten – und warum?

Ich bin sehr gerne zuhause, weil ich in meinem Leben ja immer eher „klein“ in der Region unterwegs war. Ich bin ja nie so ein Super-Nummer1-Star gewesen. „Der Brink“ steht eher für Kontinuität. Deshalb konnte ich auch 44 Jahre eine gute Existenz aufbauen. Mega-Star zu sein kann ja auch schnell zum Fluch werden.

MAASS•GENAU: Welches politische Thema bewegt Sie im Moment?

Das Flüchtlingsthema, weil viele Dinge so extrem schlecht laufen. Horst Seehofer vertritt weiß Gott nicht immer meine Meinung, doch er hat mit seiner Kritik Recht. Dann kommt natürlich dazu, dass die Welt so extrem in Aufruhr ist. Wir haben Spinner, die als Trittbrettfahrer des IS unterwegs sind. Und leider werden das immer mehr.

MAASS•GENAU: Über wen sollte endlich mal gesprochen werden – und warum? 

Über den syrischen Herrscher Assad müssen wir sprechen. Der knallt von Kindern bis zu Alten und Kranken alles nieder. Es ist so krank und unfassbar, was Menschen sich gegenseitig antun. Das erschüttert mich. Ich verstehe nicht, dass es immer noch keinen Konsens in der Welt gibt, dass dieser Diktator dringend weg muss. Es ist traurig, dass sogar mächtige Staatschefs wie Barack Obama in einem so engen Korsett aus Lobby und Industrie stecken, dass sie kaum etwas gegen das Unrecht in der Welt unternehmen können. Ich hoffe deshalb sehr, dass Donald Trump nicht bei der nächsten Wahl den roten Knopf in die Hand bekommt. Hillary Clinton hat wirklich etwas im Kopf. Doch dieser „Trump(-el)“ – die Amerikaner mögen ihn hoffentlich verhindern!       

MAASS•GENAU: Mit wem würden Sie gern mal tauschen und was würden Sie dann als Erstes tun?  

Ich will nicht tauschen. Klar: Ich fand einen Menschen wie Nelson Mandela beeindruckend, der so lange zu Unrecht im Knast gesessen hat und danach ohne Rachegelüste ein so wichtiges Leben geführt hat. Denn die meisten von uns sind doch viel zu sehr Egomanen. Im Vergleich zu vielen anderen bin ich in meinem Leben von Sonnenschein zu Sonnenschein gesprungen. Ich hatte eine gute Kindheit, habe nie Not gelitten. Habe mein Hobby zum Beruf gemacht und bin damit auch noch erfolgreich geworden. Das einzige, was mich reizen würde: Ich würde gern mal für 24 Stunden eine Frau sein, um zu erleben, wie es eigentlich ist, wenn Männer sie anbaggern.

MAASS•GENAU: Was lesen Sie gerade?

Ich habe gerade einem Menschen das Leben retten dürfen, der fast an einem Stück Fleisch erstickt wäre. Der schwärmte anschließend von unglaublich schönen Träumen und war offenbar im Übergang zum Tod. Danach hat mir meine Frau ein Buch über Nahtoderlebnisse empfohlen: „Über den Tod und das Leben danach“ von Elisabeth Kübler-Ross. Sehr interessant, wenn man sich darauf einlässt. Im Urlaub lese ich eher Krimis oder Biographien. Gerne am Strand, wo ich es genieße, stundenlang meinen Hintern nicht zu bewegen.      

MAASS•GENAU: Was haben Sie zuletzt im Fernsehen geschaut und wie fanden Sie es?

Im Moment kann man sich das Fernsehen aussparen, weil vieles wiederholt wird und das Wetter so schön ist. Sonst bin ich ein Fernseh-holic: Krimis, Fußball, Tagesschau. Serien z.B. gucke ich gern, außer die düstere „Lindenstraße“. Die steht bei mir auf dem Index.

MAASS•GENAU: Was können Sie im Internet empfehlen?

Vielleicht ist es meinem Alter geschuldet, denn ich sehe im Internet neben dem Segen auch viel Ballast. Wenn man gerade aktuell an das unkontrollierbare „Dark-Net“ denkt, wo sich Waffen-Dealer oder Pädophile tummeln. Das macht mir Angst. Ich brauche das Internet nicht ständig und überall und bin froh, dass ich meine Leute habe, die sich z.B. um meine Homepage kümmern.

MAASS•GENAU: Worüber wird in den Medien viel zu oft gesprochen?

Was mich im Fernsehen so nervt: Wenn etwas gut läuft, machen es alle. Da sind öffentlich-rechtliche Sender keinen Deut besser als private Sender. Wenn einer kocht oder quizzt, wollen es die anderen auch. Wenn ich an die 70er Jahre zurückdenke: Da saßen wir nach den Sendungen wie beim Klassentreffen zusammen und haben gefeiert. Das ist heute anders, unpersönlicher. Da siehst Du teilweise die Kollegen in Deinen eigenen Shows nicht. Oder nehmen wir den Talk: Ich bin ja immer wieder als guter Geist des Volkes eingeladen worden und dann haben mir Politiker irgendwelche Statistiken um die Ohren gehauen. Und jeder hat so seine eigenen. Da ist dann nur die Frage, welche Statistik besser gefälscht ist.

MAASS•GENAU: Ihr Wort an:

– das Radio von heute…

Macht nicht immer dasselbe. Ich bin enttäuscht, dass nicht mehr Sender aktuellen deutschen Schlager im Programm haben. Es kann nicht sein, dass Sender wie WDR, NDR und BR fünf Wellen haben und keinen aktuellen Schlager spielen.

– Deutschland zwischen Amok und Terror…

Die Welt ist in Aufruhr. Die Welt ist verrückt. Man kann gar nicht glauben, was sich Menschen antun. Wir leben in einem wunderschönen Land, uns geht es gut. Doch wir müssen aufpassen, dass wir nicht immer der Gutmensch für alles und jeden sind. Wir brauchen auch mal drastische Lösungen. Sonst bekommen wir gravierende Probleme und gehen an unserem Liberalismus kaputt.

– Populistische Scharfmacher…

In die heutige Zeit passen gefährliche Stimmenfänger wie Donald Trump nicht, die populistisch sind und ohne Konzept dastehen.

MAASS•GENAU: Und zum Schluss:

Darum ist es schade, dass meine Sonntagsshow bei Antenne Brandenburg eingestellt wird…

Ich finde es schlimm, dass es viele gut bezahlte Redakteure gibt und die Programmchefs trotzdem nur ihren Beratern vertrauen. Die kommen irgendwo her und beraten alle Sender zu Oldie-Sendern. Ich finde ABBA wunderbar, aber nicht montags, dienstags, mittwochs… jeden Tag. Auch wenn es schade für meine Fans ist, der RBB hat das gute Recht, nach neun Jahren sein Wochenendprogramm bei Antenne Brandenburg zu ändern. Ich werde mich sauber verabschieden, wie so oft in diesem Jahr. Nach 21 Jahren gebe ich im November auch die „Schlager des Jahres“ im MDR Fernsehen ab. Meistens wird wegen des Jugendwahns spekuliert. Doch ich kann versprechen: Ich komme wieder – im Fernsehen und im Radio.