Gedanken…! – von Jochen Maass

Liebe Angela Merkel!

Eine behaarte Männerhand mit Eishörnchen erregt Deutschland. Warum? Weil Ihr Social-Media-Team statt fescher Wander-Fotos aus Ihrem Urlaub in Südtirol uninspirierte Archivbilder vom angeblichen Sommer in Berlin gepostet hat. So weit, so einfallslos. 

Klar: Sie haben als Bundeskanzlerin zur Zeit weitaus größere Sorgen, als sich um authentische Fotos bei Instagram zu kümmern. Und um eines direkt mal klarzustellen: Ich möchte generell nicht mit Ihnen tauschen. Denn überraschenderweise würde ich den IS, Erdogan und die Flüchtlingskrise nicht besser in den Griff bekommen. 

Doch oft sind es vermeintliche Kleinigkeiten, die die Entfremdung von Mächtigen dokumentieren, die sich ihrer Sache ein bisschen zu sicher sind. Es sah doch lange Zeit alles so gut aus: Gegner in der Union? Kommen nur noch als Bayern-Folklore daher. Die SPD? Richtet sich selbst: mit Sigmar Gabriels Tengelmann-Gate genauso wie mit der Lebens-(lauf)-Lüge von Petra Hinz oder der kraftlosen Hannelore Kraft. 

Spätestens seit Ihrer stur-protestantischen „Wir schaffen das…“-Sommer-Pressekonferenz ist deutlich geworden: gewonnen ist die Bundestagswahl 2017 noch lange nicht. Zugegeben: Ihr Verstand und Ihre Diplomatie überzeugen immer noch. Doch immer häufiger nervt Ihr Taktieren auch. Denn Menschen dürsten nach Empathie – von echten Typen. Von Ihnen, der Kanzlerin. 

Seit Gerhard Schröders entrücktem „Wir müssen die Kirche im Dorf lassen“-Auftritt in der Elefantenrunde 2005 wissen Sie doch aus erster Hand, wie es sich anfühlt, wenn Regierende den Kontakt zur Basis – und Wirklichkeit – verlieren. Und wie schnell man abgewählt wird. 

Manchmal braucht es vielleicht den Shitstorm über ein Eishörnchen, um zu erkennen, dass Wandersocken einfach näher am (Wahl-)Volk sind.